Predigten & Andachten zuhause

Gerade in Zeiten der Coronakrise ist es wichtig, dass wir zuhause unseren Glauben weiterhin leben können.
Deshalb stellen wir Ihnen hier Predigten und Andachten online zur Verfügung.

Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, halten Sie inne und feiern Sie zuhause, ob alleine oder mit der Familie.
Als Christen dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns auch jetzt begenen möchte.

Online Angebote: 
https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/andacht-gruendonnerstag.php

https://www.evangelische-liturgie.de/EL_Themen/Themen/Haus_HG_20-04-09-GrDo(II).html

Predigt zu Rogate                                                          
+17.5.2020 AD+   

 „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.] 14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“ Mt 6,5-13                       

Rogate! Betet! - Als wenn das so einfach wäre! Wir haben doch so viele Fragen zum Beten: "Wie machen wir's richtig? Dürfen wir Gott für uns persönlich bitten? Hört er mich überhaupt? Weiß er nicht viel besser, was ich brauchen? Kann ich auch ohne zu beten, ein Christ sein? Gehört nicht auch Lob und Dank ins Gebet hinein? Gott kennt und weiß doch alles - warum dann überhaupt noch beten? Wann erfüllt Gott mein Gebet?" Fragen über Fragen!

Ich wünschte mir für diesen Sonntag, dass heute jeder und jede auf seine / ihre Fragen zum Beten wenigstens eine Antwort bekommen kann. Ich wünschte mir, dass es in dieser Stunde gelingt, uns ein bisschen mehr zu Menschen zu machen, die beten – mehr beten oder wieder.

Denn was soll sonst der Aufruf? -, den wir im Namen dieses Sonntags hören: Rogate! Betet! Wenn wir auf das Wort Jesu aus der Bergpredigt hören, da finden wir manche Antwort auf unsere Fragen: Wie beten wir richtig? Wie will Gott unser Gebet haben? Jesus sagt: Wir sollen keine Heuchler sein, die mit frommem Niederschlagen der Augendeckel öffentliche Gebete verrich-ten. Beten ist offenbar etwas, bei dem Zurückhaltung geboten ist, eher eine Herzensangelegenheit, eine Sache für das "Kämmerlein", wo ich mit Gott allein bin – still werde, höre, aufmerksam werde. Ich denke mir, Jesus hat das den Menschen sagen wollen, die eine Schau aus dem Beten machten. Die sagten ellenlange Psalmen laut wie am Schnürchen herunter und wollten dafür die Anerkennung durch die Menge: "Ist der aber fromm! Kann die aber beten!" Jesus richtet diesen Leuten nun aus: Ihr habt euren Lohn gehabt. Ihr habt - was euer Beten wert ist - schon erhalten: Eben die Anerkennung, das Staunen, das Lob der Menschen, denen ihr euer Beten zur Schau stellt. Mehr dürft ihr nicht erwarten! Solche Gebete erhört Gott nicht, denn sie sind ja nicht um der Erhörung, sondern um des Beifalls der Menge willen gesprochen. Wir sollen aber durchaus mit einem "Lohn" des Betens rechnen, denn "dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten." Warum soll sich denn auch Gott, den wir "Vater" nennen, nicht freuen, wenn seine Kinder zu ihm kommen mit ihren Sorgen, ihren Wünschen, ihren Bitten und - hoffentlich - auch mit ihrem Lob und ihrem Dank?! Und warum soll er aus dieser Freude heraus nicht auch belohnen, dass einer sich an ihn wendet? Wir werden jetzt gewiss nicht zu ihm beten, um diesen Lohn zu bekommen. Aber ist es nicht schön zu wissen, dass der Vater im Himmel rechtes Beten auch mit Güte vergelten will? Hier ist sicher noch nicht gemeint, dass Gott uns erfüllt, worum wir ihn bitten. Das ist eine andere Sache. Aber schon dass wir ihn bitten, soll seinen Lohn bekommen. Ich muss hier sagen, ich habe solchen "Lohn" des Betens schon oft gespürt: Und wenn ich im Gebet - angesichts einer Aufgabe, die mir große Angst machte - nur ruhiger geworden bin. War das kein Lohn? Oder das: Ist es nicht schon sehr tröstlich, etwas, das mich bewegt, umtreibt und beschäftigt, Gott gesagt, dem Vater anvertraut und so abgelegt zu haben? Ist das nicht auch "Lohn"? Viele von uns sind auch schon so belohnt worden, wenn sie sich im Gebet an Gott gewandt haben. Ich bin da sicher nicht allein.

Und wir sollen es kurz machen mit unseren Gebeten, nicht "plappern wie die Heiden". Wie groß ist die Versuchung bei Gott mit vielen Worten durchsetzen zu wollen, was eigentlich unser Wille ist! Wir sollen Gott nicht zu überzeugen versuchen, wie wir's mit den Mitmenschen halten. Bei Meinesgleichen mag das stimmen: "Den krieg' ich schon herum, wenn ich nur lange genug auf ihn einrede!" - Bei Gott erreiche ich damit nichts. Nicht die vielen Worte gelten vor ihm, sondern die Einsicht, dass er ja auch einen Willen hat - allemal weitsichtiger, größer und besser als mein eigener. Die kürzeste Bitte an Gott, den Vater, der es gut mit mir meint und der doch besser weiß, was mir not ist, hat uns Jesus im Vaterunser gelehrt: Dein Wille geschehe! Drei Wörtchen nur, aber - wenn sie ernsthaft gemeint sind - liegt der ganze Sinn allen rechten Betens darin: Ich gebe mich voll Vertrauen in Gottes Hand, er tue mit mir, was er will! Dein Wille geschehe - drei Wörter nur, aber sie gehören ans Ende eines jeden Gebetes, wenigstens in Gedanken.

Und wir sollen Vertrauen haben: "Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet." Wohlgemerkt, "was ihr bedürft", nicht was ihr "wünscht"! Das ist zweierlei! Ich wünschte mir als Kind immer, einmal reich zu sein, einmal berühmt zu werden; einmal in der großen Öffentlichkeit zu stehen... Dessen "bedurft" habe ich nicht, das weiß ich heute. Vielmehr: Ich hätte heute gar nichts anderes werden wollen, als ich nun geworden bin! Und doch: Wie sehr habe ich's mir einmal gewünscht! Und Sie? Haben Sie nicht auch eine andere Lebensentwicklung genommen, als Sie sich's einmal erträumten und in ihren Wünschen ausmalten? Und war es nicht gut so, wie es kam? -

Wir sollen Vertrauen haben! Gott weiß, was wir wirklich brauchen - noch ehe wir zu ihm beten. Deshalb ist nun nicht jedes Gebet eigentlich sinnlos. Gott hört durchaus unsere Wünsche. Wir dürfen sie ihm ruhig sagen. Er erfüllt sie halt nicht alle - und meistens in anderer Weise. Es kann dann im Gebet geschehen - und haben sie's nicht auch schon erlebt - dass Gott uns seinen Willen zeigt und uns Antwort gibt auf unsere Wünsche und wir begreifen: Sein Wille ist besser für mich! Er hat einen Weg für mich, einen neuen Blick.

"Der Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe denn ihr ihn bittet" - Mir wird über diesem Wort noch etwas anderes klar: ''Bitten'' und "Wünschen" sind vielleicht gar nicht das wichtigste an unserem Beten. Könnte denn nicht auch Loben und Danken, Preisen und Rühmen der Inhalt unserer Gebete sein? Freuen wir uns denn nicht auch daran, wenn man uns hin und wieder auch einmal Dankeschön sagt? Sollte Gott sich nicht auch über dankbare Kinder freuen? Ja, nehmen wir doch auch da einmal ernst, dass wir vom himmlischen "Vater" reden. Der Vater hat ganz gewiss Freude daran, wenn wir "Danke" sagen, denn er hört's - sicher auch von uns - ja selten genug. Achten wir doch einmal darauf, wie viel wir bitten und wie wenig wir danken in unserem Gebet.

Wie beten wir richtig? - ich glaube, die Worte Jesu sagen dazu schon eine Menge: Nicht wie die Heuchler, sondern in Kämmerlein. Ohne Schau, aber durchaus nicht ohne Lohn. Nicht viel Gerede, sondern im Blick auf das Wesentliche: Dass der Wille Gottes geschieht. Unsere Wünsche getrost vortragen, aber dann Vertrauen haben, dass der himmlische Vater besser weiß, was ich wirklich brauche und es am besten mit mir meint. Er hat gewiss noch viele andere Wege, um an sein Ziel zu gelangen.

Und schließlich - nicht zuletzt! - bei all den Bitten und Wünschen auch einmal sagen: Habe Dank, mein Gott!

Mehr über das Beten erfährt der, der es täglich praktisch übt, indem er tut, wozu uns der Name dieses Sonntags auffordert: Rogate! Betet!

Amen.                                                                                     von Pfr. Chr.Simon